"ERIK SATIE - Cinq grimaces/Fünf Fratzen (1915, Klavierfassung)- 6 Min.

Zuerst wollte Satie das Werk "Grimassen, Durcheinander und Zwischenräume" nennen, dann gab er ihm den endgültigen Titel "Fünf Grimassen" für "Ein Sommernachtstraum" (Ballett nach Shakespeare von COCTEAU, der den Plan allerdings nicht realisierte). Die fünf Teile gliedern sich wie folgt:
1.Préambule. 2.Coquecigrue. 3.Chasse. 4.Fanfaronnade. 5.Pour sortir.
(...)
Unser Komponist begann mit der Ausarbeitung des folgenden Plans:
Prolog.
1. Possenhafte Zirkusfanfare, zwanzig unsäglich dumme Takte.
2. Hahnenschrei und verschiedene komische Sachen: sechzehn Takte.
3. Stupide Jagdfanfare, Blech, außerdem Holz: zweimal acht Takte.
4. Gräßliches Getöne des ganzen Orchesters.
Polka, militärisch und derb, idiotisch: sechzehn Takte.
5. lächerlicher und alberner Rückzug des ganzen Orchesters:
zwölf Takte, zweihundert Mal.
Im von Satie verwendeten Vokabular ist der clowneske Ton zu bemerken, insbesondere gegen den militärischen Geist, sowie gegen das Wort "Rückzug" (oder Ruhestand? - der Übers.) im Finale, was in Kriegszeiten - ins Programm genommen - einen unangenehmen Nachhall haben könnte. Wahrscheinlich unter dem Druck seiner Freunde, die nicht wie er die Regierung provozieren wollten, beseitigt Satie in seiner endgültigen Fassung alle Anspielungen, die missverstanden werden könnten, einschließlich "Hahnenschrei und verschiedene komische Sachen", die wohlgemerkt auf den allgemeinen Chauvinismus zielten, aber auch als eine Spitze gegen den zukünftigen Autor von "Coq et l'Arlequin" (gemeint:
COCTEAU) verstanden werden könnten (...)."
(aus O.Volta, Satie et la danse, Paris 1992, S.137 - eigene Übersetzung) -
*Verwendetes Material: Filmdokumente aus der Zeit des 1.Weltkriegs (u.a. zu sehen der Flugzeug-Tanz "Aéronette", 1914, und ein sog."Kriegszitterer" in einer Hamburger Klinik) + Filmausschnitte aus "Daydreams"(1915) von Yevgeni Bauer und "Der Tramp"(1915) von Charlie Chaplin + Ton: die Klavierfassung der "Cinq grimaces" zum "Sommernachtstraum"-Ballett (gespielt von B.Gorisek), komponiert von Satie März-Nov.1915 + Zwei Briefstellen an Paul Dukas (Aug. und Okt.1915) und der Text zu Nr.3 von "L'enfance de Ko-Quo" (komponiert 1913). -